Skulptur und Spiel               2015 - 2017     (Auswahl)

Installation in der Galerie B2, Baumwollspinnerei Leipzig, 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Detail:

 

glasierte Keramik, ausgehärteter Leim,

Pinsel, Acrylfarbe, Stahl

35 x 14 cm;

Holzsteele 110cm



Humor als Lebenselixier

 

Geboren in Erkelenz, studierte Kopiczinski zunächst in Maastricht Autonome Kunst und

anschließend Bildende Kunst an der HGB in Leipzig. Derzeit ist Kopiczinski dort Meisterschüler.

 

Kopiczinski ist als Mensch und Künstler am ehesten ein subtiler Possenreißer.

Im persönlichen Kontakt ebenso wie beim Betrachten seines Werkes schwingt zwar unterschwellig,

jedoch stets spürbar, ein gutes Maß Witz und Schalk mit, ohne jedoch dabei je oberflächlich, trivial

oder gar billig zu sein - im Gegenteil: Kopiczinski ist ein in besonderem Maße tiefgründiger, gründlicher,

ja schwerer Denker, dessen Humor als Gegengewicht zu seiner Melancholie ein notwendiges

Lebenselixier darstellt. Dieses Prinzip ist in seinem gesamten Werk spürbar.

 

In seiner Arbeit „Skulptur und Spiel“ kommen die beiden Ebenen Humor und Tiefe

fasst ausnahmslos zum Ausdruck, zuweilen subtil, zuweilen unmittelbar.

Dies geschieht durch das Spiel mit Tabus, Abartigem, Morbidem, mit Sexualität, Skurrilem,

Groteskem und Anzüglichem, mit Klischees, Vorurteilen und Symbolen, mit Absurditäten,

Politischen Bezügen und Provokation, mit Ästhetik, Farben und Material.

 

Kopiczinski fügt in einer Art künstlerisch-handwerklicher Improvisation intuitiv verschiedenste

Materialien collagenartig zu Skulpturen zusammen. Allesamt spiegeln menschliche Figürlichkeit

wieder oder erinnern zumindest daran. Hierbei wählt er aus einem vor ihm liegenden Haufen

mannigfaltiger Materialien aus, einem Fundus aus Abfällen, Sperrmüll oder auch Fundstücken.

Kein einziger Bestandteil dieser Arbeit wurde etwa in einem Künstlerbedarfgeschäft käuflich

erstanden. Die einzelnen Bestandteile werden in einem spielerischen Arbeitsgang intuitiv gegriffen,

ausprobiert und meist mit Fäden zusammengebunden. Dieser Prozess geschieht mehr unbewusst

als bewusst, mehr intuitiv als diskursiv, jedenfalls ohne größere vorherige Reflexion.

 

Die Idee für die einzelne Skulptur entsteht unmittelbar, prozessimmanent, sie wird entweder direkt

umgesetzt oder wieder verworfen. Sie entsteht nicht etwa in einem konzeptuellen, komplizierten,

intellektuellen Denkprozess.

 

Eben dieser schnelle, improvisierte, unmittelbare und pure Arbeitsprozess verleiht den Figuren

ihre krude Direktheit, ihre charmante Imperfektion bei gleichzeitig erstaunlicher Stimmigkeit.

 

In ihrer Anzüglichkeit haben viele der Figuren einen Witz, der zum einen durch die in der

Direktheit des Anzüglichen liegenden erquickenden Unverschämtheit entsteht, aber vor allem

in Verbindung mit einer Entblößung menschlicher Realität, die durch ihre Wahrhaftigkeit

unsere menschliche Scham und Verlogenheit vorführt und dadurch zum Grinsen, Schmunzeln, ja zum

geständigen Auflachen anstiftet.

 

 

Dr. J.-C. Knobbe